S – Jagden in Niedersachsens Wäldern

Wieder mal haben in Niedersachsen S-Jagden zum Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahres, initiiert durch die Landesgruppe Niedersachsen, stattgefunden. An dieser Stelle möchte ich nicht nur die Leistungen der Hunde würdigen, sondern die der teilnehmenden Richter und Beobachter. Außerdem eine Herzensangelegenheit: Der Dank an die, welche die Reviere für diesen besonderen Hundeeinsatz zur Verfügung stellen. Natürlich nicht ganz selbstlos, da man ja vom Einsatz unserer Hunde auf den groß angelegten Gesellschaftsjagden profitiert. Trotzdem ist es eine besondere Geste seitens privater Pächter, der Landesforsten, der Klosterkammerforsten oder des Kreisforstamtes Spießingshol, immer wieder ihre Flächen für den sehr speziellen Einsatz unserer Hunde zur Verfügung zu stellen.

Am Beispiel des Letztgenannten Forstamtes einige Ausführungen:
Treffen am Freitag 5.Januar 2018, 8.00 Uhr vor Ort in der Försterei Brandshof. Frisch gebrühter Kaffee, anwesend zwei Revierbeamte, eine gut eingestimmte Corona, zusammengesetzt aus ortskundigen Jägern, die auch an diesem Jagdtag als Gruppenführer fungieren, drei Verbandsrichter, perfekte Organisation, eine äußerst großzügige Freigabe in Abstimmung auf die prallgefüllten Dickungen, schließlich zum Abschluss perfektes Catering in Form vom Revierleiter persönlich gegrillter Gratis- Wildbratwürstchen (alleine schon Grund genug, an dieser Jagd teilzunehmen)!
Trotzdem schwingt über den Tag hinweg inhaltlich immer eine morgens geäußerte Aussage mit! „Frage: Was gibt es langweiligeres als eine S-Jagd? Antwort: Zwei S- Jagden!“
Tatsächlich erleben wir es so auch an diesem Freitag wieder. Woran liegt das? Besonders zwei der eingesetzten Hunde sorgten für dieses Phänomen. Nachdem zielsicher Schwarzwild gefunden wurde, um es mit Vehemenz aus der Dickung zu „exportieren“, konnte man auf den Ortungsgeräten förmlich wahrnehmen: „Ich bin dann mal weg!“. „Man“ verabschiedete sich jeweils über mehre Kilometer für sehr geraume Zeit und die Corona hatte gefälligst auszuharren, denn die PO unseres Vereins gibt klar vor, dass nur ein Hund zurzeit geschnallt sein darf. Einem „Durchgehhundeführer“ mag es angesichts solcher Verhaltensweisen dieser Solojäger schütteln. Aber: Genau dieses geniale Verhalten unserer Wachtelhunde – das zielgerichtete Finden der Sauen, kombiniert mit dem sicheren „Rausschmeißen“ und dem dann so wichtigen „Weitertransportieren“, bringt die Gewährleistung, dass das Wild an vier, fünf, ja, nicht selten an bis zu zehn und mehr Drückjagdständen vorbei kommt, um schließlich sicher angesprochen und erlegt werden zu können. Da kommen sehr schnell einige Kilometer zusammen. Das „Hin“ ist ja einigermaßen schnell erledigt, während sich beim „Zurück“ etwas mehr Zeit genommen wird und die Ablenkungen in Form von neuen Versuchungen ja auch nicht gerade zu verachten sind! Ein Abweichen von der eigenen Rückfährte kann die Effizienz der eingesetzten Stöberer stark erhöhen, natürlich nur so lange, wie es sich im angesetzten Zeitfenster des Treibens bewegt. Zum Ende, bzw. darüber hinaus sorgt dieses Verhalten nicht selten für graue Haare bei den „Standschnallern“.

So war es schließlich im Kreisforstamt Spießingshol, dass man neben der wundervollen Gastfreundschaft auch von einer gewissen „Opferbereitschaft“ der eingesetzten Kräfte sprechen kann. Ob das wohl den teilnehmenden Hundeführern immer so bewusst ist? Ich rege an dieser Stelle an, einen kleinen Obolus in der Art eines Nenngeldes abzuverlangen, der dann für gute Zwecke in die Landesgruppenkasse fließen könnte!

Noch auf ein letztes Wort: Wir sollten nicht müde werden, auf die beschriebenen Leistungen unserer Hunde hinzuweisen. Auch wenn die Kombination der vom Stand geschnallten Solojäger mit den von Durchgehschützen und Treibern geführten Hunden einen höheren Wirkungsgrad verspricht, sind die Gegenargumente in Sachen Sicherheit nicht zu toppen. Denken wir an die Standards auf Schießständen, muss uns das Wandeln von Treibern und Treiberschützen in unseren Dickungen schlaflose Nächte bereiten. Dass es bedingungslos ohne Personenbewegung im Treiben funktioniert, beweisen zum Beispiel nach wie vor die Forstämter Dassel (Landesforsten Niedersachen), das Klosterforstamt in Niedersachsen und die Forstbetriebe Oberharz und Süd in Sachsen- Anhalt. Die Streckenzahlen in teilweise schwindelnder Höhe – besonders auch beim Schwarzwild – sprechen für sich! Das einiges an Schwarzwild dabei liegen bleiben dürfte kann man angesichts des absolut geringeren Gefährdungsgrades von Menschleben und Gesundheit vernachlässigen!
Ach ja, warum drei handfeste VDW-Richter angesichts eindeutiger Leistungsnachweise der eingesetzten Hunde nicht gleich das Leistungszeichen „S“ zuteilen dürfen, es stattdessen eines komplizierten Antragsverfahrens bedarf (beim Leistungszeichen „Spurlautstrich“ auf der Hasenspur geht es ja auch), wird sich mir vermutlich nie erschließen!

Karl-Heinz Strohmeyer


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